Erneuerbare Energien - Wasserkraft: nicht nur in der Theorie lernen
19. Mai 2016 - 14:32 Uhr René Weiss Energie und Umwelt

Energie und Umwelt: sicher eines der ganz grossen Themen der Zukunft. Die Schweiz hat sich entschieden, ihren Beitrag zum Klimawandel zu leisten. So eröffnen sich unzählige Gelegenheiten, in diesem wachsenden Markt Karriere zu machen und gleichzeitig aktiv an der Zukunft zu arbeiten und seine eigenen Ideen einzubringen. Es entstehen laufend neue Jobs und innovative Unternehmen, die auf diesem wichtigen Markt eine Rolle spielen wollen.


Wasserkraft – erneuerbare Energien: Theorie ist dabei eine Seite, Praxis die andere.


1000 Meter im Berg und mehr als 700 Meter unterhalb des Gipfels, umgeben von Tonnen von Gestein, hast du die Chance, Einblicke in eines der grössten Pumpspeicherwerke der Schweiz zu nehmen. 










Und diese Leistung haben bei Weitem nicht nur Ingenieure von Hochschulen erbracht, im Gegenteil, ohne die praktische Erfahrung von Praktikern – unter anderem von Absolventen und Lehrern des HF-Studiums Energie und Umwelt an der HBU – wurde dieses Jahrhundertwerk der AXPO im geplanten Zeit- und Kostenrahmen errichtet.

Würdest du das nicht gerne einmal selber erleben? Ausgerüstet mit entsprechender Schutzkleidung (siehe Bild) geht die Reise in gewaltige Kavernen mit Transformatoren, Kühlungssystemen und den einzigartigen Turbinen, jede einzelne mit 250 MW Leistung. Du stehst unter den riesigen Druckrohren, aus denen jede Sekunde tausende Liter Wasser die neuartigen Turbinen und Generatoren antreiben.


Sicherheit bei Wasserkraftwerken

Spannend zu erleben wie tief im Fels eine voll funktionsfähige Stadt entstanden ist, mit Transportbussen, Bahnen und unendlichen Gängen und Treppen. Damit keiner verloren geht, trägt er einen Sender, der der Einsatzzentrale laufend den Standort überträgt. Sicherheit wird hier gross geschrieben, nicht nur bei den Mitarbeitern und Lieferanten, auch bei den Besuchern.

Begleitet von fachkundigen Führern der Kraftwerke Linth-Limmern AG erfährst du spannende Geschichten aus der Planungs- und Bauzeit, detaillierte Schilderungen, welche unglaublichen Tonnagen auf und in den Berg gebracht werden mussten, spezielle Transportsysteme, die dafür entwickelt wurden. Und du lernst, wie nachhaltig das gesamte Bauwerk ist: sämtliches Gestein aus dem Ausbruch wurde beim Limmernsee mit einer temporären Zementfabrik in die Staumauer verbaut.

 

Du siehst einzigartige Ingenieurleistungen mit vielen innovativen Lösungen, die dafür sorgen, dass in der Schweiz rund um die Uhr genügend Strom zur Verfügung steht. Zwischenzeitlich sind zwei der vier Turbinen im Dauereinsatz und arbeiten sogar über den geplanten Leistungswerten.



















Die Theorie Wasserkraftwerke als Erneuerbare Energien

Die Schweizerische Stromproduktion erfolgt mehrheitlich mittels Wasserkraft. Auch wenn das meiste Potenzial bereits ausgenutzt ist und aufgrund des aktuellen Marktpreises diese Produktionsart nicht mehr rentabel betrieben werden kann, bildet sie einen wichtigen Eckpfeiler, nicht nur für die Schweiz, sondern für das gesamte Europäische Stromnetz. Unsere Pumpspeicherwerke, die Batterien Europas, garantieren die notwendige Stabilität des Netzes, das aufgrund erneuerbaren Energien grossen Schwankungen ausgesetzt ist.

 

Es gibt ja nicht nur die Speicherwerke, die Stromproduktion für den direkten Verbrauch wird über diverse Kraftwerke an Flüssen und von Stauseen erzeugt. Diese Anlagen bieten viele Vorteile: enorm lange Betriebszeiten, schnelles Hochfahren der Produktion, Hochwasserschutz, hohe Effizienz.

 

Zusätzlich besteht ein grosses Potenzial von sogenannten Kleinkraftwerken. Neue Methoden und Technologien werden zum Teil in der Schweiz entwickelt. Diese Firmen sind in den Startlöchern und suchen laufend fähige Mitarbeiter. Deshalb betrachtet ein Modul des Lehrgangs auch diese neuen Technologien im Detail. Was braucht es, um die Leistung zu berechnen, welche Gesetze sind dabei zu beachten, wie hoch sind die Kosten: das sind Themen, die zum Teil präsentiert erhältst und teilweise selbständig erarbeitest.

 

Wasserkraft international ausgerichtet

Nebst den bekannten Technologien, die in der Schweiz genutzt werden, lernst du Visionen und Ideen kennen, die die unendliche Verfügbarkeit von Wasser zur Stromerzeugung nutzen. Teilweise noch etwas utopisch (wie z.B. im Meer versenkte Serverfarmen von Microsoft), werden solche Konzepte nicht nur von den bekannten Produzenten voran getrieben, sondern branchenfremde Konzerne haben entdeckt, dass sie nicht nur etwas Gutes für die Umwelt machen können, sondern auch Geld damit verdienen. Von der zusätzlichen Werbewirksamkeit ganz zu schweigen.

 

HF-Studium Fachrichtung Erneuerbare Energien

Start des nächsten Studienganges ist im Januar 2017 geplant. Das sechssemestrige Studium schliesst berufsbegleitend mit dem eidg. anerkannten Titel dipl. Techniker/in Energie und Umwelt – Erneuerbare Energien ab. Es können an der HBU auch einzelne Fachmodule (z.B. Wasser- und Windkraft, Photovoltaik, Solar, Geothermie etc.  ) besucht werden.


René Weiss, Dozent für das Fachmodul Wasser- und Windkraft sowie in Kooperation mit einem SUVA-Experten im Fach Sicherheit und Verfügbarkeit, verfügt über eine grosse Erfahrung bei den erneuerbaren Energien. Er war unter anderem fünf Jahre CTO einer Bayrischen Geothermiefirma und hat an Projekten von Windparks in Polen mitgearbeitet. Praxis und Theorie: die Kombination dieser zwei Aspekte liegt ihm besonders am Herzen, denn das eine funktioniert ohne das andere nicht.

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